An den Spitzenverband der Hessischen Krankenkassen, 12.03.09
Sehr geehrte Damen und Herren,
durch die Kündigung der Diabetes-Vereinbarungen des Spitzenverbandes der Krankenkassen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, zum 31.12.2008, haben Sie eine sehr schlechte Situation für Diabetiker (in Hessen ca. 400 000 Menschen) geschaffen. Wie können Patienten erwarten, dass Ärzte sie behandeln, wenn für die Behandlung kein Geld von Ihnen der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung gestellt werden kann?
Erst als wir, der DDB LV Hessen, gemeinsam mit der KV Hessen und vielen Ärzten am 13. Januar 2009 zu einer Protestveranstaltung aufriefen, haben Sie, der Spitzenverband der Krankenkassen, eine Vereinbarung abgeschlossen, die aber nur vordergründig das Problem löst:
Sie gaben bekannt, dass die Versorgung von Diabetikern ab 1. Januar 2009 vorerst bis 31.03.09 abgesichert wird, wenn die zu behandelnden Patienten dem DMP (Disease Management Program) für Diabetiker beigetreten sind. Das trifft nur bei ca. 50% (geschätzt) der Diabetiker zu. Was ist mit den anderen? Es gehörte mit zu den Voraussetzungen des DMP, dass Patienten sich freiwillig einschreiben. (SGB-V, §137f Abs3). Halten Sie es für freiwillig, wenn Sie Behandlung nur gewähren, wenn der Patient dem DMP beitritt? Wir halten diesen Zwang für ungesetzlich und ein Beispiel für Krankenklassenbürokratie, die wir nicht wollen.
Hinzu kommen weitere Fehler dieser Regelung: Die Teilnahme am DMP das Vorliegen einer chronischen Erkrankung voraus, was aber im Falle des Gestationsdiabetes (Auftreten eines Diabetes während einer Schwangerschaft, gefährlich für das Kind) nicht zutrifft. Die Behandlung dieser Kranken ist also trotz dieses Vertrages nicht bezahlt.
Ab Januar 2009 geht das sogenannte Morbiditätsrisiko auf die Krankenkassen über. Ist es so gemeint, dass dann von den Krankenkassen einfach Krankheiten ignoriert werden oder mit verwaltungstechnischem Kniff nur scheinbar versorgt werden?
So ist jedenfalls die Situation der Diabetiker in Hessen seit dem 1. Januar. Da wir damit rechnen müssen, dass ca. 10 % der Bevölkerung über 55 Jahren bereits einen Diabetes hat, reden wir hier von keiner Randgruppe.
Wer klopft den Krankenkassen auf die Finger?
Wir fordern alle Verantwortlichen hierzu auf. Insbesondere fordern wir die Mitarbeiter der Krankenkassen auf, das ihnen von uns anvertraute Geld auch dafür einzusetzen, wofür es gezahlt wurde, nämlich für die Patienten. So geht es nicht!!!
Wir fordern eine,
- Absicherung richtiger Diabetes-Vereinbarungen zum 1. April 2009, und eine
- Aufnahme der Kennziffern für die Diabetesbehandlung in die übliche Liste der Krankheitsbetreuung, den EBM
Prof.v.Lilienfeld-Toal Landesvorsitzender
Geschäftsstelle: Schwalmstadt-Treysa